Ex-Dortmunder Wladimir But - der Ballkünstler ohne Disziplin

Ex-Dortmunder Wladimir But - der Ballkünstler ohne Disziplin
0

Der Russe spielte mehr als 6 Jahre beim BVB und galt als ausgezeichneter Techniker. Schließlich fehlte es ihm jedoch an Disziplin, um zu den ganz großen aufzusteigen.

Als Teenager war Wladimir But, obwohl er kaum zum Einsatz kam, Teil der BVB-Mannschaft, die 1997 die Champions League gewann. Knapp ein Jahr später spielte er beide UCL-Halbfinalspiele gegen Real Madrid durch - und das mit gerade mal 20 Jahren. Insgesamt absolvierte er über 100 Bundesliga-Spiele. Doch heute erinnert sich kaum jemand noch an den Linksfuß. Wie kam es dazu?

But zeichnete sich durch eine unglaubliche Technik aus: Er konnte auf dem Platz Dinge anstellen, wie es die meisten nicht einmal im Traum von sich erwarten wollten. Mit solchen Voraussetzungen hat er eindeutig viel zu wenig im Fußball erreicht. "Natürlich habe ich manchmal geschlampert", verriet der Russe einst.

Buts fußballerischesTalent fiel früh auf: 1977 in der damaligen UdSSR geboren, debütierte er bereits mit 16 für die Profis des russischen Zweitligisten Chernomorets Noworossijsk. Ein halbes Jahr später, im Sommer 1994, holte ihn Borussia Dortmund. But hatte einen ohnehin komplizierten Charakter - und im Nachhinein kann man sagen, dass es ihm nicht gutgetan hat, in so frühem Alter die Heimat zu verlassen. "Es ist nie gut für die persönliche Entwicklung, in so jungen Jahren aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen zu werden", sagte Volker Finke, der spätere Trainer von But beim SC Freiburg. "Und die vielen Schulterklopfer, die dir die ganze Zeit sagen, wie toll du bist, tun ihr Übriges."

Im Dortmunder Nachwuchs schlug sich But allerdings gut und mit 17 Jahren waren an dem Spieler bereits Klubs wie AC Florenz und Ajax Amsterdam interessiert. Der Mittelfeldspieler wurde behutsam an die BVB-Profimannschaft herangeführt. Dies war nicht so leicht, wenn man bedenkt, dass das Team 1995 und 1996 den Meistertitel gewann. Zu Beginn der Saison 1996/97 feierte er als 18-Jähriger sein Bundesliga-Debüt. Cheftrainer Ottmar Hitzfeld schätzte die technischen Qualitäten von But, nannte ihn einen "Rohdiamanten", legte aber auch viel Wert auf Disziplin.

In der Champions-League-Saison 1996/97 kam der Spieler nur auf zwei Einsatzminuten in der Gruppenphase und tat es sich insgesamt schwer unter Hitzfeld.

Stammspieler wurde er unter den neuen Trainer Nevio Scala in der Saison 1997/98. Scala, der zuvor bei Parma Spieler wie Fabio Cannavaro oder Hristo Stoichkov trainiert hatte, schwärmte von But und soll zu ihm sogar gesagt haben: "Du bist das größte Talent, mit dem ich jemals gearbeitet habe". Doch im Sommer 1998 wurde Scala entlassen und unter dem nächsten BVB-Coach Michael Skibbe verlor But seinen Stammplatz wieder. Dem Russen fehlte es vor allem an Disziplin: Er geriet oft in Skandale außerhalb des Platzes.

Daher war die Ernennung des Disziplin-Fanatikers Matthias Sammer zum neuen Cheftrainer zur Saison 2000/01 für But fatal. Nach wenigen Monaten wurde er suspendiert und verließ schließlich den Klub im November 2000 in Richtung SC Freiburg. "Wir planen nicht mehr mit ihm und haben einen sauberen Schlussstrich gezogen, da ihm die Identifikation mit dem Verein fehlt", kommentierte Sammer die Trennung.

Bei Freiburg wollte But zu alter Stärke zurückfinden - und dies gelang ihm in seiner ersten Saison. Gegen die Bayern und Oliver Kahn zirkelte er sogar einen Freistoß zum 1:1-Endstand in den Winkel. Auch im zweiten Jahr zeigte er eine ordentliche Leistung. Doch dann ging es bergab: In der Saison 2003/04 war er komplett außen vor. Sein Vertrag wurde nicht verlängert und er suchte sich einen neuen Klub.

Schließlich wechselte er zu Hannover 96. Doch auch dort fand er sein Glück nicht: 4 Spiele in 1,5 Jahren. Damit war 2005 das Kapitel Bundesliga für But endgültig beendet. "Wenn man Fußball spielen kann, meint man, man muss nicht so viel machen", versuchte er einmal, seine lasche Einstellung zu erklären.

Nach Hannover spielte er noch einige Jahre in Russland und Griechenland und beendete schließlich 2010 im Alter von 32 Jahren seine Profi-Karriere. Schon während seiner aktiven Laufbahn begann er, sich mit Literatur zu beschäftigen und gründete 2008 in Hannover seinen eigenen Buchverlag. Nach dem endgültigen Ende seiner Spieler-Karriere zog But mit seiner Familie in die Schweiz. 

Erinnert ihr euch noch an But?

Source: Goal