Deco stand 2004 kurz vor dem Bayern-Wechsel: Eine Erfolgsgeschichte, die nie passierte

Deco stand 2004 kurz vor dem Bayern-Wechsel: Eine Erfolgsgeschichte, die nie passierte
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Der portugiesische Mittelfeldspieler Deco könnte 2004 von Porto zum FC Bayern gewechselt sein und unter Felix Magath gespielt haben. Das Portal miasanrot.de erinnert sich daran.

Deco im Sommer 2004

Anderson Luís de Souza oder einfach Deco erlebte 2004 das wohl aufregendste Jahr seiner Karriere. Schon im Jahr zuvor hatte er mit dem FC Porto das "kleine Triple" - Meisterschaft, Pokal und UEFA-Cup (der damals noch wertvoller war als heute) - gewonnen, doch 2004 sorgte der Verein für eine absolute Sensation. Unter Trainer Jose Mourinho warf man das große Manchester United im Achtelfinale der Champions League aus dem Rennen und holte sich in einem berühmten Duell gegen den AS Monaco in Gelsenkirchen die Krone der besten Mannschaft Europas.

Porto sollte noch eine Weile eine feste Größe im internationalen Fußball bleiben. Wenige Tage später eröffnete Portugal die Europameisterschaft 2004 in Porto, wo sie einen Monat später auch endete. Beide Male erlitten die Gastgeber Niederlagen gegen Griechenland von Otto Rehhagels, aber es kann ja nicht alles gut gehen. Nach der Auftaktniederlage rückte der frisch eingebürgerte Brasilianer Deco in die Startelf und verdrängte den langjährigen Weltklasse-Dirigenten im Herzen des Mittelfelds des AC Mailand, Rui Costa, für den Rest des Turniers auf die Bank.

2004 war für Deco nichts weniger als der Durchbruch zur Weltklasse, und im Sommer folgten eine Reihe von hohen individuellen Auszeichnungen. Er wurde als bester Mittelfeldspieler und bester Vereinsfußballer Europas ausgezeichnet, und am Ende des Jahres erhielt er beim Ballon d'Or sogar 6 Stimmen mehr als Ronaldinho und belegte den 2. Platz.

Bayern im Sommer 2004

Und tatsächlich stand dieser großartiger Spieler schon einmal kurz davor, zum FC Bayern zu wechseln. Das war zu einer Zeit, als Bastian Schweinsteiger noch als Flügelspieler galt und die Bayern gerade eine Saison beendeten, in der sie gar nichts gewannen und mit ansehen mussten, wie Werder Bremen das Double holte.

Der damalige Präsident des FC Bayern, Franz Beckenbauer, verriet während des Champions-League-Finales, in dem Deco für Porto spielte, als TV-Experte, dass sein Verein in Verhandlungen mit dem Spieler stehe und setzte alles daran, so wenig wie möglich über die Leistung des portugiesischen Mittelfeldakteurs zu sagen. Er sagte ohne Umschweife, dass der Spieler über weite Strecken des Spiels unsichtbar gewesen sei und er sich mit einem endgültigen Urteil lieber zurückhalten würde.

Der vermeintlich unsichtbare Deco hatte jedoch Minuten zuvor das erste Tor beim 3:0-Sieg seiner Mannschaft vorbereitet, das zweite selbst erzielt, um dann 5 Minuten vor Schluss unter tosendem Applaus der mehr als 20.000 nach Gelsenkirchen gereisten Porto-Fans ausgewechselt zu werden, bevor er zum Mann des Spiels des Finales erklärt wurde. Offensichtlich war der Kaiser von Uli Hoeneß gründlich zum Schweigen gebracht worden.

Aber mal abgesehen von dieser Anekdote: War Bayern wirklich kurz davor, den Deal abzuschließen? Ja! Wie auch der Spieler selbst Jahre später in dem Buch "The godfathers of the league" zugab:

"Ich wollte Porto verlassen und ich hatte zwei Angebote, eines von Bayern und eines vom FC Chelsea. Ich war mir sicher, dass ich nicht zu Chelsea gehen wollte. Mein Trainer bei Porto, Jose Mourinho, wechselte zu Chelsea und wollte mich mitnehmen. Es hat mir Spaß gemacht, unter ihm zu arbeiten, aber es war an der Zeit, meinen eigenen Weg zu beginnen. Deshalb sollte es Bayern werden. Mein Berater sagte mir, dass sie mich haben wollten. Alles hörte sich gut an. Ich habe mich schon als Bayern-Spieler gesehen".

Am Ende scheiterte jedoch der Deal: Der Berater des Spielers, Jorge Mendes, bevorzugte Decos Wechsel zu Barcelona für 21 Millionen Euro. Hier könnt ihr herausfinden, wie eine CD den Wechsel von Deco zum FC Bayern verhindert hat.

Was wäre, wenn...

Damals gab es Spekulationen, dass Decos Wechsel zu Bayern zu einem Abgang von Michael Ballack führen würde - ironischerweise wurde er mit dem Transfer zu Barcelona in Verbindung gebracht. Franz Beckenbauer dachte angeblich auch, dass Ballack und Deco als Duo nicht funktionieren würden. Aber stellen wir uns vor, dass Deco kam und Ballack blieb.

Dann wäre Bayern auf den eventuellen Abgang von Ballack viel besser vorbereitet, als es in Wirklichkeit passierte. Bayern nutzte damals eine 4-4-2-Formation, aber auf den Flügeln spielten nicht immer die Flügelspieler - und genau da würde Deco seine Spielzeit bekommen.

Während der neue Trainer Felix Magath im Mittelfeld meist auf Martin Demichelis und Ballack vertraute, ging es auf den Flanken manchmal recht wild zu. Anstelle von Deco verpflichteten die Bayern kurz danach Torsten Frings von Dortmund. Frings gilt nicht zu Unrecht als einer der vielen Bayern-Transferflops dieser Ära, was aber nichts daran ändert, dass er trotzdem ziemlich viel gespielt hat. Allein in jenem Jahr absolvierte Frings 29 Ligaspiele, viele davon auf den Positionen auf den Flügeln. Auch Sebastian Daisler und Owen Hargreaves wurden von Magath auf den Flügeln eingesetzt.

Was hatte Deco, was all diese Spieler nicht hatten? Er war einfach viel besser als sie alle (na ja, bei Deisler und Hargreaves kann man streiten, aber für sie waren die nicht-fußballerischen Gründe immer dabei). Deco war technisch begabt, fantastisch im Passspiel und stellte im letzten Drittel immer eine Torgefahr dar. Im Vorfeld seines Debüts beim FC Barcelona fragten sich einige, ob er und der magische Ronaldinho zusammen zu viel Freigeist auf dem Platz sein würden, aber der Portugiese überraschte als Nummer 8 mit einer guten Arbeitsmoral ohne den Ball, und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass er das auch bei den Bayern getan hätte.

Sieht man einmal von Pirlo, Xavi und Iniesta ab, hätte Bayern mit Deco den vielleicht besten klassischen kreativen Mittelfeldspieler des Jahrzehnts in seinen besten Jahren verpflichten können. Felix Magath ist sicherlich zu vielem fähig, aber vielleicht wäre seine Amtszeit mit diesem gewissen brasilianisch-portugiesischen Magier an seiner Seite nicht so bald vorbei gewesen.

Erinnert ihr euch noch an diese Transfersaga? Wäre Bayern mit Deco eurer Meinung nach in dieser Ära viel stärker?

Source: miasanrot.de